Redner(in): Angela Merkel
Datum: 20.01.2011

Untertitel: am 20. Januar 2011 in Berlin
Anrede: Sehr geehrter Herr Harris, liebe Frau Berger, sehr geehrte Delegierte und Freunde des AJC, meine Damen und Herren,
Quelle (evtl. nicht mehr verfügbar): http://www.bundesregierung.de/nn_1498/Content/DE/Rede/2011/01/2011-01-20-merkel-american-jewish-committee,layoutVariant=Druckansicht.html


ich möchte mich ganz herzlich für diese Ehrung bedanken, die ich heute empfangen darf und die für mich vor allen Dingen eine Verpflichtung ist.

Sie haben eben darauf hingewiesen, welche gemeinsamen Begegnungen und welche gemeinsamen Möglichkeiten wir hatten, unsere Ansichten auszutauschen und zu sagen, was uns gegenseitig wichtig ist. Ich möchte diese Ehrung natürlich auch mit einem Dank an den AJC dafür verbinden, dass er mir immer wieder und gerade auch zum 100. Jahrestag die außergewöhnliche Möglichkeit gegeben hat, vor den Delegierten meine Ansichten als deutsche Bundeskanzlerin darzulegen. Ich war mir der Ehre, aber auch des damit verbundenen Auftrags damals sehr bewusst, als es nach der Shoa, dem Holocaust, in einem einzigartigen Prozess bis zum 100. Jahrestag des AJC schließlich möglich wurde, dass eine deutsche Bundeskanzlerin gemeinsam mit dem amerikanischen Präsidenten und dem UN-Generalsekretär dazu eingeladen worden war, an diesem Jubiläumstag zu sprechen. Das zeigt, welchen außergewöhnlichen Weg der Versöhnung Sie gegangen sind. Deshalb ist diese Auszeichnung für mich zuallererst auch eine Verantwortung dafür, das Vertrauen, das in Deutschland und die Menschen in unserem Land gesetzt wird, nicht zu enttäuschen, sondern auch in Zukunft zu rechtfertigen.

Mit dieser Auszeichnung, die mir, wie gesagt, ein Auftrag ist, wird auch ausgedrückt, dass wir gemeinsam noch viel zu tun haben. Die Menschenrechte und die Würde des Menschen werden weltweit noch an vielen Stellen mit Füßen getreten. So haben wir gemeinsame Aufgaben an vielen Plätzen dieser Erde.

Wir haben auf der einen Seite auch die gemeinsame Aufgabe, die historische Erinnerung wach zu halten. Ich glaube, die Reise unseres Bundespräsidenten nach Israel zusammen mit seiner Tochter und einer Gruppe junger Leute hat auch noch einmal deutlich gemacht, dass die politische Führung in Deutschland sehr viel Kraft darauf verwendet und sehr viel Wert darauf legt, auch der jungen Generation Verantwortung und Erinnerung an die Geschichte sehr nahe zu bringen.

Auf der anderen Seite haben wir große Aufgaben in der aktuellen Politik. Es geht um den Frieden im Nahen Osten. Es geht um ein sicheres Israel, einen jüdischen Staat Israel und auf der anderen Seite einen palästinensischen Staat. Wir in Deutschland, aber auch wir in der Europäischen Union fühlen uns verpflichtet, gemeinsam mit den Vereinigten Staaten nach einer solchen Lösung zu suchen. Die Zeit drängt. Es ist eine herausragende Aufgabe, dass in Zukunft die Menschen in Israel in einem jüdischen Staat in Sicherheit, in sicheren Grenzen und in Freiheit leben können. Für das Erreichen dieses Ziels werden wir, so denke ich, auch weiterhin gemeinsam intensiv arbeiten. Deshalb wird diese Auszeichnung ein täglicher Auftrag an mich sein, im Rahmen des Möglichen von deutscher Seite aus unseren Beitrag dafür zu leisten, dass diese Vision eines Tages Realität wird.

Es gibt also viel zu tun, sodass ich diesen Preis sehr geehrt entgegennehme, aber eben auch mit der inneren Verpflichtung, weiter für die Ziele zu arbeiten, die uns einen.