Redner(in): Angela Merkel
Datum: 17.05.2009

Untertitel: in Chemnitz
Anrede: Anrede,
Quelle (evtl. nicht mehr verfügbar): http://www.bundesregierung.de/nn_914560/Content/DE/Rede/2009/05/2009-05-17-bk-thw,layoutVariant=Druckansicht.html


Sehr geehrter Herr Präsident Broemme,

sehr geehrter Herr Ministerpräsident, lieber Stanislaw Tillich,

sehr geehrter Staatssekretär, lieber Peter Altmaier,

liebe Kolleginnen und Kollegen aus dem Bundestag und dem Landtag,

Frau Oberbürgermeisterin Ludwig

und vor allen Dingen Sie, liebe THW " ler aus ganz Deutschland,

ich bin aus Überzeugung hierher gekommen, um Ihnen auch im Namen der ganzen Bundesregierung einmal ein herzliches Dankeschön für Ihre Arbeit zu sagen. Es ist mir eine große Freude, heute einen kleinen Teil des "Tags des THW" mit Ihnen feierlich begehen zu können. Es ist schon vom Ministerpräsidenten darauf hingewiesen worden: Wir feiern in wenigen Tagen den 60. Geburtstag der Bundesrepublik Deutschland 60Jahre Grundgesetz. Davon leben wir nun schon fast 20Jahre in Einigkeit und Recht und Freiheit. Die ersten 40Jahre gab es Recht und Freiheit nur für einen Teil Deutschlands. Im November denken wir dann auch an den Mauerfall vor 20Jahren sicherlich eines der glücklichsten Ereignisse in der deutschen Geschichte.

Nun haben Sie dieses Jahr auch zu einem Jubiläumsjahr erkoren: 20Jahre THW in den östlichen Bundesländern. Eingedenk meines Physikstudiums habe ich verzweifelt versucht, diese Zahl zu verstehen; ich rechnete von 2009 aus 20Jahre zurück. Aber ich glaube, es ist eine schöne Feier, die Sie sich jetzt für "20Jahre THW in den östlichen Bundesländern" vorgenommen haben. Auf jeden Fall ist viel geschafft worden. Deshalb einen herzlichen Glückwunsch zu dieser Aufbauarbeit, die ja im THW in großer Gemeinschaft stattgefunden hat.

Es war damals eine Zeit des Neuanfangs und der Neuorientierung viele von Ihnen werdensich noch daran erinnern. Sie bot viele Möglichkeiten, aber sie war auch nicht für jeden leicht. Da war es wichtig, Leitbilder zu haben, die Orientierung gegeben haben. So ist auch der Aufbau neuer Strukturen und moderner Einsatzorganisationen von Hilfskräften in den neuen Bundesländern möglich geworden.

Den Jüngeren im THW, von denen ich eben einige getroffen habe, kann man das schon fast wie eine Geschichtserzählung nahe bringen. Andere waren dabei, als die Ortsverbände gegründet wurden. Eine der sicherlich hilfreichsten Sachen waren die vielen Patenschaften, über die man sich geholfen und voneinander erzählt hat. Man hat auch Fahrzeuge und Ausrüstung abgegeben.

Ich erinnere mich an diese Zeit auch aus dem Blickwinkel meines Wahlkreises noch ganz gut. Es war unglaublich, wie viel Hilfsbereitschaft es damals gab, aber auch, wie viel Leidenschaft in den neuen Bundesländern vorhanden war, endlich auch einmal das zu tun, was man schon immer tun wollte, und ein Stück mehr selbst zu bestimmen. 1991 hatten Sie immerhin schon 21Ortsverbände gegründet. Auch Chemnitz war vorn mit dabei. Dass es heute mehr als 90Ortsverbände in diesem Teil des Landes gibt, zeigt, wie weit man vorangekommen ist.

Das Technische Hilfswerk ist überhaupt nicht mehr wegzudenken, wenn wir über Gefahrenabwehr und genauso über länderübergreifende und internationale Einsätze sprechen. Ein funktionierender flächendeckender und hochmobiler Bevölkerungsschutz ist unschätzbar und unerlässlich. Ein Blick in unsere Nachbarländer zeigt manchmal, welchen Schatz wir haben, wenn bei uns Katastrophen eintreten.

Einige der bedeutendsten Einsätze fanden in den neuen Bundesländern statt. Ein dramatisches Beispiel ist das Oderhochwasser von 1997. Es führte in Deutschland und auch in Polen und Tschechien zu immensen Schäden. 7. 200THW-Helfer, vorrangig aus der Region, waren damals gemeinsam mit Tausenden Helfern von Feuerwehr, Rotem Kreuz, DLRG und Bundeswehrkräften im Einsatz, um schlimmere Schäden zu verhindern. Die Jahrhundertfluten der Elbe, insbesondere im Jahr 2002, aber auch 2006 der sächsische Ministerpräsident hat schon davon gesprochen sind weitere Beispiele für Großeinsätze hier in den neuen Bundesländern.

Ich glaube, wir alle werden die Bilder nicht vergessen, mit welchem Elan und mit welcher Kraft das THW in dieser schrecklichen Situation, nach dieser immensen Naturkatastrophe, mit dabei war. Helferinnen und Helfer vom THW, übrigens auch zusammen mit Feuerwehren und anderen Hilfsorganisationen, sind damals zum Teil ganz spontan aus allen Teilen der Bundesrepublik angereist und haben sich Hand in Hand gegen die Wassermassen gestemmt. Vieles hätte noch viel schlimmer ausgesehen, wenn diese Hilfskräfte nicht da gewesen wären. Wir haben schreckliche Bilder dieser manchmal unterschätzten Kraft der Natur gesehen. Trotz all dieser Ausmaße hat sich gezeigt, wie gut die komplexen Systeme der Hilfeleistung in Deutschland funktionieren insbesondere auch bei Ihnen, beim THW.

Deshalb sagen wir rund 59Jahre nach der Gründung des THW und nach fast 20Jahren THW in den neuen Ländern: Es ist etwas Unglaubliches geschafft worden. Darauf können Sie stolz sein. Darauf sind nicht nur Sie stolz, sondern darauf ist die ganze Bundesrepublik Deutschland stolz, meine Damen und Herren.

Aber nun ist das ja so mit den Bilanzen: Sie sind nur halb so viel wert, wenn man sie nur für eine Rückschau nutzt. Es gilt, immer auch nach vorn zu blicken. Gerade in einem so existenziell wichtigen Bereich wie dem Katastrophenschutz gilt eigentlich immer die Devise: Gut ist noch nicht gut genug. Deshalb haben Sie für Ihren THW-Tag auch wieder ein Motto gewählt, das in die Zukunft weist: "Zukunft gemeinsam gestalten."

Was heißt Zukunft? Im Augenblick etwas über die Zukunft auszusagen, ist gar nicht so einfach. Wir haben erlebt, dass viele Prognosen in sich zusammengefallen sind. Deshalb kann man manchmal nur die Bitte äußern, dass diejenigen, die sich gerade einmal geirrt haben, nicht schon wieder die nächsten Prognosen abgeben, mit denen sie uns verrückt machen. Insoweit will ich dann doch auf Ihre Devise verweisen, dass Sie erst einmal anpacken, wenn Sie ein Problem sehen.

Aber natürlich ist es möglich, zu sagen: Unsere Welt wächst immer mehr zusammen. Wir wissen auf dieser Welt immer mehr voneinander, internationale Bündnisse werden an Bedeutung gewinnen. Wir haben technischen Fortschritt, internationale Handelspartnerschaften und neue Informations- und Kommunikationswege. Die zunehmende Globalisierung, wie wir das ja nennen, bietet natürlich Chancen. Nationen und Regionen stehen aber auch vor völlig neuen Herausforderungen.

Das heißt, wir müssen die Möglichkeiten und Fähigkeiten, international zu kooperieren, weiterentwickeln. Denn wir wissen, dass sich Gefahren oft sehr schnell ausbreiten können. Wir haben das am Beispiel der Finanzmarktkrise erlebt. Aber wir können es genauso auch im Hinblick auf Krankheiten sagen, zum Beispiel Grippe-Epidemien. Es gibt immer mehr Ereignisse, die ein Land allein gar nicht bewältigen kann. Das heißt natürlich nicht, dass wir national nichts mehr tun müssten. Da beginnt doch das Ganze, denn wer keine vernünftige nationale Struktur hat, der kann sich auch international nicht vernetzen. Aber dieser Vernetzungsgedanke wird sicherlich in besonderer Weise an Bedeutung gewinnen.

Sie haben sich gestern mit einigen wichtigen nationalen Themen befasst, zum Beispiel mit der Bevölkerungsentwicklung oder der Sicherheit und Verwundbarkeit unserer hochtechnisierten Gesellschaft. Ich finde das sehr wichtig. Insbesondere der zweite Teil, die Verwundbarkeit hochtechnisierter Gesellschaften, ist ein Thema, vor dem wir doch öfters die Augen verschließen. Ich, die ich auf dem Land aufgewachsen bin, sage mir manchmal noch immer: Irgendwie möchtest du in deiner Nähe noch einen Kachelofen haben und ein paar Kohlen im Hinterhalt, hinzu ein bisschen Holz, damit du wenigstens etwas anzünden kannst, wenn es einmal kalt sein sollte. Aber wenn man sich einmal anschaut, inwiefern große urbane Zentren heute vom Funktionieren technischer Systeme abhängen, dann bedarf das natürlich eines erheblichen Schutzes. Das sollten wir uns und nicht nur Sie im THW immer wieder vergegenwärtigen.

Wir haben natürlich konkrete lokale Probleme, zum Beispiel die Hochwassergefährdung. Da ist inzwischen vieles an Vorsorge geschafft worden. Wir können auch vieles von unseren Erfahrungen an andere Länder weitergeben. Aber auch hier zu Hause müssen wir noch manches lernen.

Da ich gerade über die Vernetzung gesprochen habe: Es geht eben auch um die Bekämpfung von Problemen, die nicht nur national auftreten. Sie im THW wissen, dass zum Beispiel steigende Meeresspiegel, zunehmende Überschwemmungen, Stürme, Hitze und Dürrekatastrophen ihren Ursprung im Klimawandel haben. Wir können heute schon ganz nüchtern sagen, auch wenn man das im Einzelfall nicht genau zuordnen kann: Der Klimawandel wird auf der Welt leider Auswirkungen in Form vieler Katastrophen haben. Deshalb ist die Vorsorge, das heißt, das Eindämmen des Klimawandels, also des Temperaturanstiegs, von so immenser Bedeutung. Wer sich einmal mit den Begebenheiten in Afrika oder auch in Südostasien beschäftigt hat, der weiß, dass dort viele Auswirkungen schon sehr viel sichtbarer als hier sind. Aber man kann auch in Deutschland das sieht man an der Zugspitze und das geht bis zu der Frage, ob die Eiche in der Uckermark noch überleben kann schon viele Folgen von Temperaturveränderungen feststellen.

Das heißt, wir müssen die Zukunft im Blick haben. Wir müssen uns angesichts dessen, was uns erwarten kann, darauf einstellen, welche Katastrophen eine höhere Eintrittswahrscheinlichkeit haben, und wo immer es möglich ist, Vorkehrungen treffen, damit es nicht immer dazu kommt, dass Sie akut in einen Einsatz rücken müssen.

Nun sagen Sie in Ihrem Motto ja nicht nur "Zukunft gestalten", sondern Sie sagen sehr schön: "Zukunft gemeinsam gestalten." Ich glaube, das Wort "gemeinsam" passt zum Technischen Hilfswerk gemeinsam mit verschiedenen THW-Verbänden und auch gemeinsam mit anderen Ehrenamtlichen der Feuerwehr, Organisationen im Bevölkerungsschutz und gemeinsam in Europa und in der Welt.

Gemeinsinn ist in unserer Gesellschaft von außerordentlicher Wichtigkeit. Ich glaube, ein Land kann ohne Gemeinsinn nicht richtig gut leben. Wir haben ja oft erlebt, wie wir füreinander einstehen. Ich finde, gerade die Deutsche Einheit ist ein wunderbares Beispiel dafür. Man hat nicht gefragt, wie das denn nun genau auf Cent und Heller und Pfennig aussieht, sondern man hat einfach angepackt, weil man sich zusammengehörig gefühlt hat. Gerade im Bereich des Ehrenamtes ist dieser Gemeinsinn gelebte Lebenswirklichkeit. Achtung, Respekt vor anderen, die Bereitschaft, für andere da zu sein und für andere einzustehen, auch wenn man dafür nicht bezahlt wird das macht eine gesunde Gesellschaft aus, die optimistisch in die Zukunft blickt, die weiß, dass Gemeinsamkeit stark macht. Aber ich sage für die Politik auch: Einen solchen Gemeinsinn muss man pfleglich behandeln. Ihn muss man schützen, hegen und pflegen; man muss der ganzen Gesellschaft Achtung und Respekt entgegenbringen.

Heute gibt es oft auch ein falsches Verständnis von Freiheit: Ich mache, was mir nützt, und mir ist es egal, was anderen nützt. Das macht das eigene Leben etwas trister, das macht das Zusammenleben etwas beschwerlicher. Aber es ist durchaus in unserem Land verbreitet. Ich kann nur sagen: Wenn jeder so denken würde, dass man immer zuerst nur an sich und sonst möglichst an gar nichts denkt, dann wäre die Not in unserem Land groß. Deshalb können wir dankbar dafür sein, dass es viele Millionen Menschen gibt, die sich aktiv um das Gemeinwohl sorgen vor allem in Kirchen und karitativen Einrichtungen, in Vereinen, auch in der Politik und eben auch im Bevölkerungsschutz. Deshalb ist der Satz richtig: Ohne Ehrenamt ist kein Staat zu machen.

Es war, wie ich finde, eine gute und richtige Initiative der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten, dass sie in der "Woche des Ehrenamtes" in vielen Facetten auf das, was unser Land zusammenhält, hingewiesen haben. Damit das Ehrenamt funktionieren kann, bedarf es bestimmter professioneller Strukturen. Deshalb ist es auch richtig, dass der Staat ehrenamtlich Aktiven in besonderer Weise unter die Arme greift. Um zwei Beispiele zu nennen: Wir haben innerhalb der Bundesregierung, durch die Familienministerin, die "Initiative ZivilEngagement" ins Leben gerufen. Damit wollen wir einzelne Projekte besser aufeinander abstimmen und in ihrer Wirksamkeit stärken. Ich denke, das Gesetz "Hilfen für Helfer", durch das vor allem steuerliche Rahmenbedingungen für das Ehrenamt verbessert wurden, ist von ganz besonderer Bedeutung.

Aber es geht auch darum, die Anerkennung des bürgerschaftlichen Engagements zu fördern. Ehrenämter haben sozusagen eine Vorbildfunktion. Deshalb reicht es auch nicht, wenn man in einer Woche einmal an das Ehrenamt denkt, sondern bei den vielen negativen Meldungen, mit denen wir jeden Tag überhäuft werden, sollte auch ab und zu einmal Platz sein für ein gutes Werk, für eine positive Botschaft, für das, was jeden Tag in unserem Land passiert.

Nun ist ja das Reizvolle am bürgerschaftlichen Engagement, dass eigentlich alle profitieren diejenigen, denen geholfen wird, die Gesellschaft, deren Zusammenhalt gestärkt wird, aber auch die Ehrenamtlichen selbst, denen ihr Engagement ja auch Freude macht. Ich denke, das waren hier keine Leidenstage in Chemnitz. Dazu hat Chemnitz beigetragen, aber dazu haben vor allem Sie beigetragen, die Sie sich auch einmal austauschen können. Sie lernen für das Leben, Sie machen Erfahrungen und Sie erleben, dass zusammen etwas gelingt, was man als Einzelner nicht schaffen würde.

Man könnte auch sagen: Mehr als 80.000 Menschen können sich nicht irren. Das ist die Zahl der Frauen und Männer, die im THW ehrenamtlich aktiv sind. Es ist ein engmaschiges Sicherheitsnetz. Es gibt 668Ortsverbände Herr Präsident Broemme hat davon gesprochen. Das THW ist tief in der Gesellschaft verwurzelt. Und man darf sagen: Selbst in das Bundeskanzleramt haben Sie Verbindungen. Denn wir bekommen vom THW Ortsverband Frankenthal alle Jahre wieder einen Weihnachtsbaum. Auch das ist eine wichtige Sache, die uns an das THW erinnert.

Es arbeiten in den vielen Ortsverbänden natürlich Menschen mit ganz unterschiedlichen Erfahrungen und beruflichen Ausbildungen zusammen. Jeder bringt seine Ideen in die Arbeit ein. Wir müssen aber natürlich noch vieles tun. Ich bitte Sie: Seien Sie eine mahnende Stimme für Prävention, wenn es um nachhaltiges Krisenmanagement geht. Es ist richtig und wichtig, dass Sie zu akuten Einsätzen hinzugerufen werden. Manchmal können Sie ja auch schon voraussehen, dass irgendwo etwas passieren kann. Dann ist es wichtig, dass die Stimme des THW auch gehört wird, damit man nicht jedes Mal hinterher betroffen sagt, dass man aus dem Schaden klug geworden ist, das aber nach dem Ereignis doch wieder vergisst.

Ich glaube, es war auch wichtig, dass die grenzüberschreitende Zusammenarbeit der Hilfsorganisationen im Bevölkerungsschutz intensiviert wurde. Gemeinsame Übungen mit unseren Nachbarländern gehören auch dazu, ebenso wie der Austausch bei Forschung und Praxis in der Gefahrenvorsorge. Aber wir wissen eben auch, dass effektive Schutzsysteme weiterentwickelt und immer wieder angepasst werden müssen.

Sie sind verlässliche Partner in Deutschland und gelten im Ausland als humanitäre Botschafter unseres Landes. Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble hat neulich darauf hingewiesen, dass die Zahl der Einsätze sicherlich nicht abnehmen wird. Es wird großartige Arbeit geleistet. Oft sieht man mir geht es jedenfalls so, wenn ich auf Auslandsreisen bin glänzende Augen, wenn von der Arbeit des THW berichtet wird.

Ich will hier nur einige Stationen in Erinnerung rufen: Der Tsunami im Jahr 2004 in Südostasien, 2005 der Hurrikan "Katrina" in New Orleans und 2008 ein Wirbelsturm in Myanmar. Sie waren immer dabei, um zu helfen und menschliches Leid zu verringern. Solche Einsätze das gilt natürlich auch für Einsatzsituationen hier im Lande kann man gar nicht hoch genug anrechnen, weil sie für jeden von Ihnen Verzicht bedeuten, was eigene Interessen und Planungen betrifft.

Ich möchte an dieser Stelle auch ein ganz herzliches Dankeschön an die Familien sagen, an die Partner, an die Ehefrauen und die Kinder, die sich manchmal vielleicht vorgestellt haben, mit dem Vater oder gegebenenfalls auch der Mutter etwas zu unternehmen, dann aber die Pflicht gerufen hat. Dankeschön dafür, dass das Verständnis weit über die Zahl der Mitglieder im THW hinaus geht. Danken möchte ich auch den Arbeitgebern für das Verständnis und die Freistellung von beruflichen Pflichten. Auch das ist in Zeiten scharfen Wettbewerbs alles andere als selbstverständlich. Ich will an dieser Stelle sagen: Das wäre vielleicht nicht denkbar, wenn wir in Deutschland nicht einen so starken Mittelstand hätten. Es sind vor allem mittelständische Unternehmer, die in langen Zeiträumen denken, die nicht von Quartalsbericht zu Quartalsbericht hetzen, sondern darum wissen, dass eine gut funktionierende Gesellschaft immer noch die beste Standortgarantie ist, und deshalb auch einen Beitrag zum Gemeinwohl leisten. Aber das alles ist in Zeiten der Globalisierung nicht mehr selbstverständlich.

Wir im 21. Jahrhundert sind international, auch ökonomisch, sehr miteinander verflochten. Die Ausbildungsanforderungen sind hoch, der Wettbewerb ist hart. Und auch wir haben dafür Sorge zu tragen, dass das, was in 60Jahren Bundesrepublik erarbeitet wurde, was Tradition hat und dafür steht das THW mit seinen 59Jahren ja jetzt schon, immer wieder an die nächste Generation weitergegeben wird. Das macht die Jugendarbeit im THW ja so wertvoll. Denn wenn die jungen Menschen ich habe gesehen: ab zehn Jahren darf man Mitglied werden; aber wenn es ganz dicke kommt, dann gibt es auch schon Gruppen mit Sechsjährigen, wie ich gehört habe in diese Tradition des gelebten Gemeinwohls hineinwachsen und sie hautnah miterleben, dann ist das eine Orientierung, eine Perspektive und eine Lebenserfahrung, die ihnen mitgegeben wird, die durch keine theoretische Ausbildung ersetzt werden kann. Das kann man nicht aufschreiben, das muss erlebt werden. Da mischen sich Lernen fürs Leben und sinnvolle Freizeitbeschäftigung. Es ist gerade vom Präsidenten Broemme angeklungen ich will das ausdrücklich unterstützen: Wir freuen uns natürlich, wenn Sie gerade in Zeiten der Krise, die für viele wieder mit Unsicherheiten verbunden ist, Ihre Ausbildungsinitiativen verstärken. Wir werden das unterstützen, soweit wir können, meine Damen und Herren.

Dann habe ich noch eine Bitte: Vergessen Sie die Kinder mit Migrationshintergrund nicht. Es ist sicherlich nicht immer ganz einfach, hier Kontakte zu knüpfen. Aber in den großen deutschen Städten haben bei den Einschulungen schon ungefähr 40 bis 50Prozent der Kinder einen Migrationshintergrund. Wir alle wissen: Nur wenn diese Kinder wirklich Teil unserer Gesellschaft werden, wenn sie die Sprache beherrschen, wenn sie ein Stück unserer Traditionen kennen lernen, dann wird es mit unserem Land gut weitergehen. Denn der Anteil der Migrantinnen und Migranten wird weiter wachsen. Die Zahl der jungen Menschen nimmt im Zuge des demographischen Wandels ab. Ich kann nur sagen: Wir brauchen jeden und jede. Deshalb wollen wir auch das THW in seiner Integrationsarbeit unterstützen, soweit wir das können. Die Bundesregierung hat viel Kraft auf verstärkte Integration gelegt. Es existieren nationale Integrationspläne, die bis in die Kommunen reichen. Auch hier ein herzliches Dankeschön an die Kommunen.

Also, seien Sie offen, ermutigen Sie und gehen Sie vielleicht auch in Gruppen hinein, die von vornherein noch nicht dazu bereit sind oder die vielleicht in ihrem ganzen Leben aufgrund ihrer familiären Beziehungen noch nie etwas vom Technischen Hilfswerk gehört haben. Gerade wenn man jung ist, ist man noch besonders aufgeschlossen gegenüber guten Aufgaben. Zukunft gemeinsam gestalten " das ist nicht nur ein schöner Sonntagsspruch für Sie, sondern das ist, wie ich weiß, gelebte Aktualität und gelebte Realität. Deshalb ganz zum Schluss noch einmal ein herzliches Dankeschön:

Erstens ein herzliches Dankeschön an diejenigen, die im politischen Raum immer wieder dafür Sorge tragen, dass wir zum Beispiel unsere Bundestagskollegen, die wir jeden Tag viele Probleme zu lösen haben, das Ehrenamt und ganz besonders das THW nicht vergessen. Scheuen Sie sich nicht: Kommen Sie ruhig immer wieder zum Reichstag, zeigen Sie, was Sie können. Wir freuen uns immer, wenn Sie da sind. Zweitens ein Dankeschön an all diejenigen, die die Arbeit des THW außerhalb des THW unterstützen von den Kommunen über die Arbeitgeber bis hin zu den Familien. Drittens ein ganz herzliches Dankeschön an Sie alle. Es ist ja für viele eine Lebensaufgabe, THW " ler zu sein. Da hat man sicherlich auch zwischendurch einmal eine Krise und sagt: Mein Gott, warum soll ich mir das alles antun zum Schluss kommen sie einem noch blöd; das muss ich mir doch nicht bieten lassen. Deshalb, lieber Herr Präsident Broemme, wenn Sie einmal ein bisschen Frust haben, dann halten Sie sich gegenseitig aufrecht.

Wir sind schon ein prima Land. Aber wir wären das nicht so, wenn Sie als THW nicht dabei wären. Deshalb brauchen wir Sie auch für die Zukunft und deshalb werden wir Sie auch in Zukunft unterstützen, so wie das in der Vergangenheit stattgefunden hat. Herzlichen Dank und alles Gute und herzliche Grüße an die vielen in Ihren Ortsverbänden. Wir fiebern mit. Wir wissen, was Sie leisten. Alles Gute und einen guten Heimweg.